Was gute Bilder ausmacht – 10% Kamera, und der Rest?

Wenn viele Hobbyfotografen ein Bild sehen, dass ihnen gefällt, fragen sie erstmal nach Kameramodel und Objetiv. Wenn es nach ihnen geht, dürfte ich mit meinem Equipment kein einziges gutes Foto machen dürfen. Wer in meinen Fotorucksack sieht, dem läuft kaum das Wasser im Mund zusammen. Denn: Ich mache hauptsächlich Landschaftsbilder. Ich will hier ein bisschen erläutern, was man dazu wirklich braucht, und was nicht. Ich stelle am Ende auch noch Tools vor, die bei der Planung helfen.

Wieso soll man gute Landschaftsbilder nun plötzlich mit Mittelklasse-Gerät machen können? Aus einem guten Grund: Statische Motive. Man kann vom Stativ fotografieren, also ist man nicht gezwungen, Belichtungszeiten kurz zu halten. Man benötigt also kein teures Objektiv mit großer Blendenöffnung, und kann bei niedrigem ISO arbeiten, bei dem die meisten Kamerasensoren heutzutage sehr rauscharm sind. Erst bei höheren ISO-Werten offenbart sich der unterschied zwischen Vollformat- und Crop-Sensor. Ebenso kann man auf besonders schnellen Autofokus verzichten. Die Bergkulisse läuft ja nicht weg.

Ich würde sagen, dass ein gutes Landschaftsbild 10% vom Equipment abhängt. Wenn ein gutes Bild nur zu 10% vom Equipment abhängt, was sind die anderen 90%?

Die restlichen 90% würde ich als eine Mischung aus Komposition und Licht beschreiben. Besonders auf das Licht will ich eingehen: Ein Landschaftsfoto muss mehr zeigen, als eine schöne Landschaft. Selbst bei strahlendem Sonnenschein zur Mittagszeit kann die schönste Aussicht vergleichsweise langweilig wirken. Die hoch stehende Sonne wirft nur kurze Schatten, niedriger Kontrast ist die Folge. Eine geschlossene Wolkendecke ist noch schlimmer, denn die wirft garkeine Schatten, alles sieht einfach nur platt aus.

Sicher ein interessantes Landschaftsmotiv, bei dem trüben Wetter ist an dem Tag aber nicht viel herauszuholen

Die richtigen Lichtverhältnisse ergeben sich morgens uns abends. Kurz nach Sonnenaufgang und kurz davor steht die Sonne tief, das Licht ist warm und die Kontraste gut. Besonders morgen kommt oft Nebel dazu, der den Sonnenstrahlen Volumen verleiht. Während der Dämmerung strahlt die Sonne die Wolken in kräftigen Farben an, wodurch die Fotos zu dieser Zeit etwas ganz besonderes werden.

Der Nebel verleiht dem Licht Volumen und Richtung – für dieses Bild stimmt vor allem die Uhrzeit: 6 Uhr früh auf 2000m Höhe

Während der „blauen Stunde“ eine Stunde vor Sonnenaufgang, und eine Stunde nach Sonnenuntergang, sind die Farben am Himmel besonders spektakulär

Sind gute Landschaftsaufnahmen also einfach nur Glück? Zum Teil. Obiges Foto an der Strandpromenade in Nizza ist eher zufällig entstanden, für das andere bin ich früh aufgestanden. Natürlich hat man keinen EInfluss auf das Wetter und muss bei aller Planung manchmal mit leeren Händen nach Hause gehen, aber Planung hilft. Wenn ich ein Motiv im Auge habe, kann ich mir folgende Fragen stellen:

  • Aus welcher Himmelsrichtung muss das Licht kommen, um starke Kontraste zu bieten? Idealerweise sollte das Licht von der Seite kommen. Beispiel: Ich möchte eine Bergkette fotografieren, die von West nach Ost verläuft, und dabei nach Norden schauen. Gute Richtungen für das Licht wären in diesem Beispiel Ost-Südost oder West-Südwest.
  • Zu welcher Tageszeit sind Sonnenaufgang und -untergang?
  • In exakt welcher Himmelsrichtung geht die Sonne auf und unter?

Anhand dieser Informationen lässt sich das ideale Zeitfenster bestimmen, um das Foto zu verwirklichen. Auf der Webseite www.suncalc.net kann ich mir anzeigen lassen, in welcher Richtung die Sonne an einem bestimmten Tag, an einem bestimmten Ort auf und unter geht:

Damit kann man nur noch auf das Wetter hoffen. Wenn am Ende die Planung steht und der Wetterbericht gut ist, bleibt nur noch: Früh aufstehen.

 

 

 

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